Sektion 6: Konzeptionelle Schriftlichkeit als implizites Curriculum schulischer Sprachkultur

Leitung: Claudia Schmellentin, claudia.schmellentin@fhnw.ch; Kathrin Hee, katrin.hee@uni-koeln.de Betrachtet man den ‚Lebensraum Schule‘ näher, so ist leicht ersichtlich, dass dort eine ganz spezifische Sprachkultur vorherrscht – nämlich eine an der konzeptionellen Schriftlichkeit (Koch/Österreicher) orientierte Sprachpraxis. Diese bleibt allerdings häufig ein „geheimes Curriculum“ (Vollmer/Thürmann 2010), d. h. sprachliche Erwartungen und Praktiken bleiben für die SuS implizit und werden „meist weder im Fach- noch im Sprachunterricht explizit thematisiert bzw. vermittelt“ (Morek/Heller 2012: 8). Paradoxerweise sind aber diese an konzeptioneller Schriftlichkeit orientierten sprachlichen Kompetenzen eine wichtige Voraussetzung zur Teilhabe am Unterricht und damit auch entscheidend für schulischen Erfolg oder Misserfolg – und das sowohl bei mehrsprachigen Lernenden als auch durchaus bei Lernenden mit Deutsch als Erstsprache. Die Sektion setzt sich zum Ziel, diese impliziten sprachlichen Praktiken zu explizieren. Ausgangspunkt sind dabei die folgenden vier Felder des Unterrichtsdiskurses, die sich aus der Kreuzklassifikation von medial-mündlich vs. medial-schriftlich und von rezeptiv vs. produktiv ergeben:
  1. die im Unterricht an die SuS gerichtete Sprache
  2. die Sprache in den Unterrichtsmaterialien
  3. die mündlichen Beiträge der SuS
  4. die von den SuS mit Bezug auf den Unterricht verfassten Texte
Für die Sektionsarbeit ergibt sich ein Spektrum an Beiträgen, welche die Felder des Unterrichts (mit Fokus auf einzelne Felder oder felderübergreifend), zweitens mögliche Entwicklungstendenzen in den Blick nehmen sowie drittens nach Anforderungen, Vermittlung oder Erwerb fragen und dabei den Blick durchaus auch über die Grenzen des Deutschunterrichts hinaus in DaZ-Kontexte oder in andere Fächer werfen. Literatur:
  • Morek, Miriam/Heller, Vivien (2012): Bildungssprache – Kommunikative, epistemische, soziale und interaktive Aspekte ihres Gebrauchs. In: Zeitschrift für angewandte Linguistik. Bd. 57 H. 1. S. 67-101.
  • Vollmer, Helmut Johannes/Thürmann, Eike (2010): Zur Sprachlichkeit des Fachlernens: Modellierung eines Referenzrahmens für Deutsch als Zweitsprache. In: Ahrenholz, Bernt (Hg.): Fachunterricht und Deutsch als Zweitsprache. 2., durchgesehene und aktualisierte Auflage. Tübingen: Narr Francke Attempto. S. 107-132.

Sektionsprogramm

Montag

10:15 bis 11:00 Uhr – Claudia Schmellentin & Kathrin Hee: Einstieg in die Sektionsarbeit

11:15 bis 12:00 Uhr – Manfred Lüders: Unterrichtsmethoden und konzeptionelle Schriftlichkeit

14:00 bis 14:45 Uhr – Katrin Kleinschmidt: Das implizite Curriculum konzeptioneller Schriftlichkeit in der an die Schülerinnen und Schüler gerichteten Sprache (SgS)

15:00 bis 15:45 Uhr – Susanne Prediger & Kirstin Erath: Mathematische Bedeutungen erklären lernen – Zur Explizierung konzeptioneller Schriftlichkeit im Mathematikunterricht

Dienstag

10:15 bis 11:00 Uhr – Nicole Kohnen: Textverständnis im Physikunterricht

11:15 bis 12:00 Uhr – Hansjakob Schneider, Miriam Dittmar & Eliane Gilg: Schulische Fachtexte – Anforderungen und Lernprozesse

14:00 bis 14:45 Uhr – Ruven Stahns, Anke Walzebug, Daniel Kasper & Heike Wendt: Bildungssprachliche Anforderungen von Sachtexten für die Grundschule am Beispiel von IGLU 2011

15:00 bis 15:45 Uhr – Barbara Schmidt-Thieme: „Starke Päckchen“ und „Markiere rot“. Zur Sprachmischung in Lehrwerken im Deutsch- und Mathematikunterricht.

Mittwoch

10:15 bis 11:00 Uhr – Sven Oleschko: Zur Bedeutung der epistemischen Funktion von Sprache im Fachunterricht

11:15 bis 12:00 Uhr – Afra Sturm: Explizite Instruktion als Explizierung sprachlicher Praktiken

14:00 bis 14:45 Uhr – Esther Wiesner: Multimodal sprachhandeln im Fach- und Sachlernen

15:00 bis 15:45 Uhr – Lena Krüppel: Synthese und Abschlussdiskussion