Esslinger, Gesine: Zugänge zu komplexen Sätzen durch Interpunktionsgespräche in der Grundschule

 

Montag, 19.9.2016

11:15-12:00 Uhr

Gesine Esslinger (Universität Koblenz-Landau) Zugänge zu komplexen Sätzen durch Interpunktionsgespräche in der Grundschule

 

Im Gegensatz zu erfolgreichen Lesern sind leistungsschwache Leser bis in die Sekundarstufe hinein u. a. nicht in der Lage, Kommas zuverlässig für eine effektive Sinnkonstruktion auf Satzebene zu nutzen. Der Vortrag plädiert für einen frühen, sprachreflexiven Zugang zu komplexen syntaktischen Strukturen i. S. des Scaffoldings. Anhand qualitativ ausgewerteter Kommagespräche mit Schüler/innen der Primarstufe kann gezeigt werden, dass kontrastiv-experimentelle Lesesettings bereits in der Grundschule genutzt werden können, um kommainduzierte Sprachverarbeitungsprozesse beim Lesen bewusst zu machen und deklaratives Wissen über den Leseprozess zu vermitteln. In solchen Gesprächen können auch schwächere Schüler/innen die lesersteuernde Funktion des Kommas entdecken. Interpunktionsgespräche sind als Bausteine einer strukturorientierten Lese- und einer prozessorientierten Interpunktionsdidaktik zu verstehen, die es DaM- und DaZ-Lernenden ermöglicht, syntaktische Erwartungshaltungen aufzubauen und wiederkehrende Strukturmuster für einen effektiven Leseprozess zu nutzen.

Literatur:

  • Bredel, Ursula (2011): Interpunktion. Heidelberg: Universitätsverlag Winter (KEGLI).
  • Esslinger, Gesine (2015): Syntaktisches Lesen unter besonderer Berücksichtigung der Interpunktion - Theorie, Testkonzeptionen und empirische Befunde. In: Iris Rautenberg und Tilo Reißig (Hg.): Lesen und Lesedidaktik aus linguistischer Perspektive. Frankfurt am Main: Peter Lang Edition (Forum Angewandte Linguistik, Bd. 53), S. 117–152.
Kontakt: gesine@webesslinger.de