Bangel, Melanie: Wortbildungsstrukturen als semantische Wegweiser beim Dekodieren

 

Montag, 19.9.2016

10:15-11:00 Uhr

Melanie Bangel (UniversitätHamburg) Wortbildungsstrukturen als semantische Wegweiser beim Dekodieren

 

Die für das deutsche Schriftsystem konstitutive Morphemkonstanz trägt erheblich zur Leserfreundlichkeit bei, indem sie einen direkten Zugriff auf die bedeutungstragenden Einheiten der Sprache ermöglicht. Inwiefern vor allem Schriftlernende diese leseunterstützende Eigenschaft beim Dekodieren nutzen, ist bisher nur wenig erforscht. Im Vortrag sollen ausgewählte Ergeb­nisse eines Dissertationsprojektes vorgestellt werden, das sich diesem Desiderat widmet. Das übergeordnete Ziel der Studie besteht darin, Einsicht in die kognitiven Strukturen und Prozesse von Leser/-innen in Jahrgang 5 zu bekommen, die bei der semantischen Auswertung morphologischer Struktu­ren aktiviert werden. Die Bandbreite an aktivierten Wissensbeständen beim Dekodieren komplexer Wörter soll exemplarisch anhand von Interviewsequen­zen gezeigt werden. Die Ergebnisse der Studie können dazu beitragen, Unter­schiede in der Analyse morphologischer Strukturen zwischen stärkeren und schwächeren Leser/-innen herauszustellen, um daraus Unterstützungsbedarfe für die Gestaltung von (schrift)sprachlichen Lehr-Lern-Prozessen ableiten zu können.

Literatur:

  • Bangel, Melanie, Müller, Astrid & Knigge, Michel (2015): Zur Entwicklung morphologischer Bewusstheit und basaler Lesefähigkeiten durch strukturbezogene Arbeit an komplexen Wörtern: Ergebnisse einer Interventionsstudie in Klasse 5. In: Unterrichtswissenschaft 43 (4), 354–373.
  • Bredel, Ursula, Noack, Christina & Plag, Ingo (2013): Morphologie lesen. Stammkonstanzschreibung und Leseverstehen bei starken und schwachen Lesern. In: Carmen Scherer und Martin Neef (Hg.): Die Schnittstelle von Morphologie und geschriebener Sprache. Berlin: De Gruyter, 211–249.
Kontakt: Melanie.Bangel@uni-hamburg.de