Heller, Vivien: Seen but unnoticed – Bildungssprachliche Praktiken auf und unter dem Radar von Lehrkräften

 

Dienstag, 20.9.2016

14:00-14:45 Uhr

Vivien Heller(Bergische Universität Wuppertal) Seen but unnoticed – Bildungssprachliche Praktiken auf und unter dem Radar von Lehrkräften

 

In Unterrichtsgesprächen stellen Erklären und Argumentieren sowohl Lerngegenstände als auch immer schon genutzte Praktiken dar. Als solche werden sie unreflektiert vollzogen und bleiben i.d.R. „seen but unnoticed“. Gerade dieser Umstand jedoch steht womöglich ihrer Wahrnehmung und Förderung entgegen. Ziel des Beitrags ist es, das professionelle Handeln von Lehrenden mit ihrer professionellen Sicht auf diese Diskurspraktiken zu konstellieren, um Aufschluss über hemmende und unterstützende Wirkfaktoren ihrer Förderung zu erhalten.

Im Projekt InterPass wurden dazu Unterrichtsvideographien mit Lehrer-Gruppendiskussionen über Unterrichtsinteraktionen trianguliert. Der Befund, dass kommunikative Gelegenheiten für die Förderung diskursiver Kompetenzen häufig ‚verpasst‘ werden, lässt sich durch die rekonstruierten Deutungsmuster erklären: Lehrkräfte nutzen Erklärungen und Begründungen von Lernenden primär als diagnostisches Fenster in Verstehensprozesse und nehmen sie als Vehikel fachlichen Lernens wahr. Als genuin diskursive Praktiken bleiben sie zumeist unter dem Radar ihrer Aufmerksamkeit.

Literatur:

  • Garfinkel, Harold (Hg.) (1967): Studies in ethnomethodology. Cambridge: Polity Press.
  • Heller, V., Quasthoff, Uta, Prediger, S., Vogler, A., Erath, K. (demn.). Bildungssprachliche Praktiken aus professioneller Sicht: Wie deuten Lehrende Schülererklärungen und -begründungen? In: B. Ahrenholz, B. Hövelbrinks& C. Schmellentin (Hrsg.), Fachunterricht und Sprache in schulischen Lehr-/Lernprozessen. Tübingen: Narr.

Kontakt: vheller@uni-wuppertal.de

Projektgruppe: BMBF-Projekt InterPass (Interaktive Verfahren der Etablierung von Passungen und Divergenzen für sprachliche und fachkulturelle Praktiken im Deutsch- und Mathematikunterricht; Leitung: Uta Quasthoff, Susanne Prediger)