Stark, Tobias: Strategien zur Auflösung von Inkohärenzen beim Lesen literarischer Texte

 

Montag, 19.9.2016

11:15-12:00/12:30 Uhr

Tobias Stark (Universität Oldenburg) Strategien zur Auflösung von Inkohärenzen beim Lesen literarischer Texte

 

Wird während des Lesens bei der Überprüfung des eigenen Verstehens die Konsistenz oder die Plausibilität des bisher konstruierten mentalen Modells als problematisch angesehen, dann werden Prozesse initiiert, um die aufgetretenen Inkohärenzen zu beseitigen und wieder ein kohärentes mentales Modell etablieren zu können. In Leseprozessanalysen (Schüler/innen der Kl. 9 beim Lesen von Kurzprosa) mithilfe von lesebegleitenden Lautdenkprotokollen (Stark 2010) lassen sich in solchen Momenten verschiedene zusammenwirkende textverarbeitende Operationen (Grzesik 2005) rekonstruieren, sodass verschiedene Interaktionsmuster identifiziert werden konnten, die sich als Strategien zur (Re-)Etablierung der globalen Kohärenz beschreiben lassen. Im Vortrag sollen diese Strategien vorgestellt und anhand von Protokolldatenausschnitten veranschaulicht werden. Im Zentrum stehen dabei das Zusammenspiel von Verstehens- und Wertungsoperationen sowie die Funktion von unterschiedlichen Gültigkeitsstatus von Sinnzuschreibungen (dabei insbesondere die Rolle der Vorläufigkeit bei der literarischen Bedeutungskonstruktion).

Literatur:

  • Grzesik, Jürgen (2005): Texte verstehen lernen. Neurobiologie und Psychologie der Entwicklung von Lesekompetenz durch den Erwerb von textverstehenden Operationen. Münster: Waxmann.
  • Stark, Tobias (2010): Lautes Denken in der Leseprozessforschung. Kritischer Bericht über eine Erhebungsmethode. In: Didaktik Deutsch, Heft 29, S. 58-83.

Kontakt: tobias.stark@uni-oldenburg.de