Sektion 12: Literale Enkulturation im Elementarbereich und in der Grundschule

Leitung: Dieter Isler, dieter.isler@fhnw.ch Iris Kruse, iris.kruse@uni-paderborn.de Literalität – verstanden als umfassende schrift- und schriftsprachbezogene Handlungs- und Reflexionsfähigkeit – ist Teil der kulturellen Verfasstheit einer Gesellschaft und wird durch soziale Praxis erworben. Ihre Untersuchung und Förderung muss dem komplexen Zusammenspiel psychischer, sozial-situativer, medienkultureller und institutioneller Bedingungen sowie deren biografischer und historischer Genese Rechnung tragen. Der Erwerb literaler Fähigkeiten ist ein individueller Prozess, der von persönlichen Bildungserfahrungen in unterschiedlichen Lebens- und Lernwelten (die immer auch Medienwelten sind) geprägt wird. Zugleich ist Literalität ein Fundament der Wissensgesellschaft, und öffentliche Bildungseinrichtungen haben die gesellschaftliche Aufgabe, den Erwerb literaler Fähigkeiten und die daran angebundenen Teilhabechancen für alle Kinder sicherzustellen. Literale Enkulturation umfasst daher verschiedene Spannungsverhältnisse: Es geht um ungesteuerten und gesteuerten Erwerb, um transitorische und etablierte Praxen, um Sprachgebrauch und Sprache als Gegenstand, um Mündlichkeit und Schriftlichkeit, um Medialität und Multimodalität, um informelle, nonformale und formale Bildungsorte. Die Sektion thematisiert Forschungsfragen, die den Erwerb und die Förderung literaler Fähigkeiten 3-10jähriger Kinder in Familien, Kindergärten und Grundschulen unter Berücksichtigung dieser Komplexität untersuchen. Es interessieren insbesondere folgende Aspekte:
  • Sprachliche, literale und mediale Praktiken unterschiedlicher Bildungsorte und ihre Passung
  • Textualität in Mündlichkeit, Schriftlichkeit und Multimedialität
  • Sprachlichkeit in multimodaler Kommunikation
  • literarästhetische Bildung als Ressource und Angebot
Literatur:
  • Heath, S. (1983). Ways with words. Language, life, and work in communities and classrooms. Cambridge: Cambridge University Press.
  • Feilke, H. (2011). Literalität und literale Kompetenz: Kultur, Handlung, Struktur. In: leseforum.ch 1/2011, 1–18. www.leseforum.ch > Archiv (Suchbegriff: Feilke) (Zugriff am 29.4.2015).

Sektionsprogramm

Montag

10:15 bis 11:00 Uhr – Sabrina Sutter & Astrid Rank: Konzeptionelle Schriftlichkeit als implizites Curriculum (vor-)schulischer Sprachkultur?

11:15 bis 12:00 Uhr – Wenke Mückel: Sprachkultur an den Bildungsübergängen der Grundschule

14:00 bis 14:45 Uhr – entfällt

15:00 bis 15:45 Uhr – Klarissa Schröder & Gabriela Scherer: Die Bedeutung von „page-breaks“ für das literarische Verstehen bei der Bilderbuchrezeption

Dienstag

10:15 bis 11:00 Uhr – Michael Ritter & Alexandra Ritter: Ausgewählt und umgesetzt. Überzeugungen von GrundschullehrerInnen zur Bilderbuchauswahl und -didaktik

11:15 bis 12:00 Uhr – Marc Kudlowski: Medienintegrative Verfahren der Leseförderung – Zur Rolle und Funktion kinderliterarischer Populär- und Trivialformate für komplexitätsgerichtete Übergänge

14:00 bis 14:45 Uhr – Farriba Schulz: Literarästhetische Lernarrangements beim Erwerb des Deutschen als Zweitsprache

15:00 bis 15:45 Uhr – Friederike von Lehmden & Claudia Müller-Brauers: Impliziertes Lernen des Genus-Kasus-Systems mit Bilderbüchern und -liedern

Mittwoch

10:15 bis 11:00 Uhr – Katharina Kichhofer: Erwerbsunterstützung mündlicher Textfähigkeiten im Kindergarten – Einblicke in eine Entwicklung von Messinstrumenten für eine neue Wirksamkeitsstudie

11:15 bis 12:00 Uhr – Benjamin Uhl: Narratives Lernen und Ko-Konstruktion. Evaluation eines materialgestützten Methodenvorschlags zur Förderung der Narrationsfähigkeit

14:00 bis 14:45 Uhr – Christine Beckert, Mathilde Gyger & Franco Supino: Schreibcoaches im Klassenzimmer

15:00 bis 15:45 Uhr – Dieter Isler / Iris Kruse: Abschlussdiskussion