Steinseifer, Martin: Konzipieren – Zum epistemischen Potential von Notizen als Form diagrammatischen Schreibens

 

Dienstag, 20.9.2016

15:00-15:45 Uhr

Martin Steinseifer (Universität zu Köln) Konzipieren – Zum epistemischen Potential von Notizen als Form diagrammatischen Schreibens

 

Konzipieren ist ein Klärungsprozess. Komplexe Gegenstände oder Problemzusammenhänge werden für zukünftigen Gebrauch handhabbar gemacht. Die Klärung ist in der Regel kein rein mentaler Vorgang, sondern eine medial artikulierte Praktik. Wenn Menschen etwas konzipieren, machen sie sich schreibend und zeichnend Notizen. Durch diese Notizen wird das Verständnis nicht nur sozial anschlussfähig, sondern sie wirken auch kognitiv stimulierend.

Das epistemische Potential von Notizen resultiert aus einer Nutzung der Schreibfläche, die die Linearität des Schreibens verlässt und die ausgehend von C. S. Peirce als ‚diagrammatisch‘ bezeichnen werden kann. Diagrammatisches Schreiben schafft – so die These – flexible Kohärenz: Zusammenhänge werden sichtbar, doch die Form eröffnet zugleich Spielräume, sie weiter zu denken und ‚auszubuchstabieren‘.

Der Vortrag will dazu anregen, Notizen nicht nur zu nutzen, sondern als Praxen des Konzipierens selbst zum Gegenstand didaktischer und unterrichtlicher Reflexion zu machen.

Literatur:

  • Krämer, Sybille, Eva Cancik-Kirschbaum und Rainer Totzke (Hrsg.) (2012): Schriftbildlichkeit. Wahrnehmbarkeit, Materialität und Operativität von Notationen. Berlin (Schriftbildlichkeit, 1).
  • Steinseifer, Martin (2013): Texte sehen. Diagrammatologische Impulse für die Textlinguistik. In: Zeitschrift für Germanistische Linguistik 41/1, 8–39.

Kontakt: martin.steinseifer@uni-koeln.de