Kruse, Norbert: Praktiken der Textgestaltung im Schreibunterricht der Grundschule – Beobachtungen auf der Grundlage von Videoanalysen

 

Montag, 19.9.2016

14:00-14:45 Uhr

Norbert Kruse (Universität Kassel) Praktiken der Textgestaltung im Schreibunterricht der Grundschule – Beobachtungen auf der Grundlage von Videoanalysen

 

Bisher besteht ein Problem der Sicht auf Schreibhandlungen darin, dass Schreiblernprozesse mentalistisch analysiert oder textualistisch begriffen werden, so dass das Wissen (Text, Interaktion, Welt) gleichsam essentialisiert und dem Handeln vorangestellt wird (z.B. Hayes 2012). Ein Konzept des Schreibens als Form literaler Praktiken könnte demgegenüber zeigen, dass Schreibhandlungen sich als routinisierter Strom der Reproduktion typischer Praktiken bei der Textproduktion darstellen. In dieser Perspektive kann das Schreiben in der Schule als Ort des Kulturellen begriffen werden. Abgeschwächt wird damit für den Unterricht die starke Stellung einer linguistischen Sicht auf Texte, die lange Zeit die dominanten Kategorien für die Beschreibung von Lernprozessen bei der Arbeit am Text geliefert hat.

Der Vortrag soll mit der Analyse ausgewählter Videosequenzen einen Beitrag zu einer Forschungsperspektive leisten, mit der Schreibhandlungen nicht lediglich als wissensbasierte Tätigkeit, sondern vor allem als know-how-abhängige und von praktischem Verstehen zusammengehaltene Verhaltensroutinen beschrieben werden (Reckwitz 2003).

Literatur:

  • Hayes, John (2012): Modeling and Remodeling Writing. Written Communications, 29 H. 3, S. 369-388.
  • Reckwitz, Andreas (2003): Grundelemente einer Theorie sozialer Praktiken. Eine sozialtheoretische Perspektive. Zeitschrift für Soziologie, Jg. 32, Heft 4, S. 282–301.
Kontakt: norbert.kruse@uni-kassel.de