Dehn, Mechthild: Bildverstehen. Sprachformen für Unbestimmtheit und Ungewissheit

 

Dienstag, 20.9.2016

14:00-14:45 Uhr

Mechthild Dehn (Universität Hamburg) Bildverstehen. Sprachformen für Unbestimmtheit und Ungewissheit

 

Im Betrachten eines Kunstwerks entsteht „ein Moment der Unsicherheit, der durch die Wahl sprachlicher Ressourcen bewältigt werden muss“ (Müller 2013, 115). Er bezieht sich auf die Fremdheit des Kunstwerks, auf seine Unbestimmtheit und auf die Ungewissheit des eigenen Verständnisses. Ich möchte am Beispiel zeigen, wie Grundschulkinder beim Schreiben (und Sprechen) zu Gemälden mit Sprachformen des Als-Ob zu erkennen geben, dass sie die dargestellte Welt als Fiktion wahrnehmen und von der realen unterscheiden. Mit solchen „Fiktionalitätssignalen“ zeigen sie an, dass es nicht nur um Klärung von Sachverhalten oder das Äußern einer Vermutung geht, sondern um das Eindringen in Vorstellungen zur dargestellten Welt und den Austausch darüber – im „Dreieck Betrachter – Bild – Betrachter“ (Abraham 2013, 107). Diese Formen impliziter Sprachbildung lassen sich auch bei der literarischen Rezeption finden. Was bedeutet die Möglichkeit, Sichtweisen und Sprachformen zu erproben, sich einzuschreiben, sich etwas zu erschreiben, für die Beförderung der Schreibkompetenz?

Literatur:

  • Abraham, Ulf (2013): Sprechen und Schreiben über Bilder: Das produktive Zusammentreffen zweier Medien aus sprachdidaktischer Sicht. In: Osnabrücker Beiträge zur Sprachtheorie (OBST) 84, S. 103-114.
  • Müller, Marcus (2013): Sprachreflexion und ästhetisches Bewusstsein. Bildende Kunst als Impuls im funktionalen Schreibunterricht. In: Osnabrücker Beiträge zur Sprachtheorie (OBST) 84, S. 115-136.

Kontakt: mechthild.dehn@t-online.de