Zanker, Peter: Bedeutungsorientierter Kulturbegriff als Grundlage für eine kultursensible Deutschdidaktik

 

Montag, 19.9.2016

11:15-12:00 Uhr

Peter Zanker (Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt) Bedeutungsorientierter Kulturbegriff als Grundlage für eine kultursensible Deutschdidaktik

 

Beobachtungen zeigen, dass im alltäglichen Unterrichtsgeschehen besonders häufig mit dem ethnisch-holistischen Kulturbegriff operiert wird: Die Schüler werden dabei zu ethnischen Einheiten zusammengefasst und auf gemeinsame Verhaltensweisen oder Werte reduziert. Es ist jedoch gefährlich, Schülerinnen und Schüler mit „Migrationshintergrund“ lediglich mit ihrer Herkunftskultur zu assoziieren und kann zur Folge haben, dass Bikulturalität und kulturelle Hybridität verhindert werden. Ethnische Zuschreibungen, Stigmatisierungen und Klischeebildung im schulischen Alltag sind die Konsequenzen.

Einen alternativen Ansatzpunkt bietet der bedeutungsorientierte Kulturbegriff, der in der Musikpädagogik schon seit mehreren Jahren diskutiert wird, allerdings noch keinen Eingang in den deutschdidaktischen Fachdiskurs gefunden hat. Bei diesem Kulturbegriff geht es um die Bedeutung von Handlungen und Denkweisen. Die Sensibilisierung der Lehrkräfte für einen Kulturbegriff, der verstehendes, kulturelles Lernen aller Schülerinnen und Schüler in den Blick nimmt, eröffnet neue Perspektiven für den Deutschunterricht (Kinder- und Jugendliteratur, szenisches Spiel).

Literatur:

  • Dorothee Barth: Ethnie, Bildung oder Bedeutung? Zum Kulturbegriff in der interkulturell orientierten Musikpädagogik. Wißner-Verlag, Augsburg, 2008.
  • Andreas Reckwitz: Die Transformation der Kulturtheorien. Zur Entwicklung eines Theorieprogramms. Velbrück Wissenschaft, Weilerswist, 2000.