Schneuwly, Bernard: Textgenres: Werkzeuge von Erstsprachunterricht als kulturelles Lehren und Lernen

  Montag, 19.9.2016 11:15-12:00 Uhr
Bernard Schneuwly (Universität Genf) Textgenres: Werkzeuge von Erstsprachunterricht als kulturelles Lehren und Lernen
 
Wygotski versteht kulturelles Lernen als Aneignung psychischer Werkzeuge, z.B. einer Schrift oder eines Textgenres. Dabei sieht die instrumentelle Methode Wygotskis den Unterricht als eine erzieherische Arbeit, die mittels bestimmter Werkzeuge auf die Veränderung psychischer Prozesse der Lerner/innen zielt. Schreiben- und Lesenlernen vollziehen sich in der Aneignung kultureller Textgenres (Volosinov (1929/2010), Bakthin (1952/1984). Der Prozess wird gestützt durch schulische Textgenres als didaktische Werkzeuge. Sie verkörpern eine „transitorische Norm“ (Feilke 2015), die Lernen ermöglichen soll. Am Beispiel schulischer Genres der deutsch- und französischsprachigen Schweiz (SNF-Projekt-CRSII1_141826, Die gesellschaftliche Konstruktion schulischen Wissens) werden Gemeinsamkeiten, aber auch deutliche Unterschiede der allgemeinen Struktur und Logik dieser didaktischen Werkzeuge thematisiert. Über die Effekte dieser Unterschiede für die kulturelle Entwicklung der Schüler ist bisher wenig bekannt. Literatur:
  • Bakhtine, M. (1952/1984). Les genres du discours – Problématique et définition. In Esthétique de la création verbale (S. 265-272). Paris : Gallimard.
  • Feilke, H. (2015). Transitorische Normen. Didaktik Deutsch, 38, 115-135.
  • Voloshinov, V. N. (1929/2010). Marxisme et philosophie du langage (zweisprachige Ausgabe). Limoges: Lambert-Lucas.
  • Wygotski, L.S. (1930/1985). Die instrumentelle Methode. In Ausgewählte Schriften (S. 309-318). Köln: Pahl-Rugenstein.