Kämper-van den Boogaart, Michael: Praktiken, Praxen und Kulturen im Literaturunterricht

 

Mittwoch, 21.9.2016

15:00-15:45 Uhr

Michael Kämper-van den Boogaart (Humboldt-Universität zu Berlin) Praktiken, Praxen und Kulturen im Literaturunterricht

Soziale Praktiken der Verarbeitung poetischer Texte lassen sich in einem zirkulären Prozess bestimmten Kulturen, Praxen, Praxisformationen, Lebensformen oder Feldern zuordnen: Von (sozialen) Praktiken lässt sich nämlich erst dann sprechen, wenn die jeweiligen Aktivitäten einen distinkten sozialen Sinn (re)produzieren; gleichsam erschließen sich besagte soziale Zusammenhänge (Kulturen, Praxen usw.) erst durch die (interpretierende) Wahrnehmung einzelner Aktivitäten. Dabei gilt offensichtlich, dass identisch anmutende Aktivitäten wie zum Beispiel das Zitieren nicht exklusiv einer sozialen Praxis oder Kultur zuzuordnen sind. So erfüllen Zitate in Abituraufsätzen erkennbar andere Funktionen als in der Zitationspolitik „tonangebender“ Wissenschaftler. Mit dieser trivialen Feststellung verbinden sich Probleme, die theoretisch interessant, aber auch in didaktischen Entscheidungen unterrichtlicher Planungen virulent sind. Und auch die Modellierung literarischer Kompetenzen wird von diesen Fragen berührt – nicht zuletzt, wenn sich „realistische“ Unterrichtserfahrung an literaturwissenschaftlichen Fachlichkeitsnormen reibt.

Literatur:

  • Michael Kämper-van den Boogaart: Literaturdidaktik und Praxeologie. In: Internationales Archiv für Sozialgeschichte der deutschen Literatur. Band 40/2015, Heft 1, 207–221
  • Marie Lessing-Sattari, Maike Löhden, Almuth Meissner, Dorothee Wieser (Hrsg.): Interpretationskulturen. Literaturdidaktik und Literaturwissenschaft im Dialog über Theorie und Praxis des Interpretierens. Frankfurt am Main: Peter Lang 2015

Kontakt: michael.kaemper-van.den.boogaart@rz.hu-berlin.de