Nathalie Kónya-Jobs: Imitation, Repräsentation und Variation im Literaturunterricht: Wege zur Verbindung von kulturellem Lernen und reziproker Lehre

ALLGEMEIN- UND FACHDIDAKTISCHER HINTERGRUND: Der Anthropologe Michael Tomasello (1993, 2002) hat drei Arten des Lernens erforscht, die für die Enkulturation von (jungen) Kindern unverzichtbar sind: Lernen durch Imitation, Instruktion und Kollaboration. Die positiven Effekte dieser Handlungsfolgen (Schirp 2003) können für die schulische Bildung und Erziehung genutzt werden. Sie fördern Fähigkeiten zur Selbststeuerung, metakognitive Kompetenzen und Problemlösungsstrategien. Im Zentrum des Ansatzes steht die Befähigung der Lerner zur reflexiven Metarede in Form eines realen oder ‚inneren‘ Dialogs, der den Lernprozess begleitet. Das Lernen am Modell (Bandura 1979, Lefrancois 2006) ist nicht auf die Imitation der realen (Lehr-)Personen beschränkt. Mündliche oder schriftliche Instruktionen, Bilder und Figuren einer Erzählung, eines Theaterstücks oder Films können seine Stelle einnehmen. Doch wie kann ein ursprünglich auf Meister-Lehrlingsverhältnisse (i.e. Experten und Novizen) basierendes didaktisches Konzept mit Standards der Schülerorientierung und der konstruktivistischen Lerntheorie (Reich 2008) verbunden werden? Kann der Nutzen des kulturellen Lernens nur um den Preis einer ‚Renaissance‘ des Frontalunterrichts und der durchgängigen Lehrerlenkung erkauft werden? ZIELE UND GEPLANTER ABLAUF: Der Workshop zeigt den Teilnehmern auf, wie kulturelles Lernen und konstruktivistische Literaturdidaktik im Unterrichtsalltag sehr wohl mit praktikablem Aufwand verbunden werden können. Nach der Auffrischung der theoretischen  Grundlagen werden die Teilnehmer zu einer einschlägigen berufsbiographischen Reflexion angeregt. Anschließend entwickeln sie arbeitsteilig in Tandems Ansätze zu einer Unterrichtsplanung, die kompetenzorientierte Lernziele im Bereich ‚Lesen: Umgang mit Texten und Medien‘ im Rahmen des kulturellen Lernens ermöglicht (Baurmann 2011, Collins 1989/1991, Necker-Zeiher 2007). Dabei werden Ansprüche an Differenzierung und Individualisierung im Zuge eines inklusiven Lernarrangements berücksichtigt. Der Workshop schließt mit einem Austausch über die Ergebnisse und mit dem Aufzeigen von Optionen der individuellen Professionalisierung auf dem behandelten Gebiet. MATERIALIEN: Den Teilnehmern wird im Vorfeld des Workshops ein Reader als Datei zur Verfügung gestellt, der in knapper Form die wichtigsten lerntheoretischen und fachdidaktischen Inhalte vermittelt. Das Materialpaket kann zur Vorbereitung und als Fundament für ein vertiefendes Selbststudium im Anschluss an die Veranstaltung genutzt werden. Es enthält neben Informationen zu didaktischen und methodischen Konzepten Vorlagen zur Unterrichtsplanung, zur Planung von literarischen Unterrichtsgesprächen, zum Material- und Medieneinsatz sowie zur (Selbst-)Evaluation. Mittwoch, 21.09.2016, 14:30-16:00 Uhr, Raum 1.247