Thema der Tagung

Kulturelle Dimensionen sprachlichen Lernens

Das Symposion Deutschdidaktik versteht Deutschunterricht als Ort der Begegnung mit Sprache, Literatur und Medien. Dass dieser zugleich ein Ort kultureller Begegnungen ist, soll beim 21. Symposion Deutschdidaktik 2016 bei der Weiterentwicklung von Konzepten über sprachliche und literarische Lehr- und Lernprozesse deutlich werden. Die Sprache als kulturelles Werkzeug befähigt Menschen, sich zu verständigen, zu erzählen, sich zu erinnern, zu bewahren, zu denken, zu ordnen, zu verstehen, zu erklären, zu begründen, sich zu sich selbst, zu anderen und zur Welt zu verhalten, Vorstellungswelten zu erschaffen und mit anderen zu teilen. Sprache ist konstitutiv für das Bewusstsein des Einzelnen und für das kulturelle Gedächtnis, sie verbindet Individuen zu ‚mediated minds‘ und schließt Kinder und Jugendliche an die Kulturen ihrer Umwelt an. Enkulturation geschieht wesentlich durch sprachliches Lernen, auch und im Besonderen durch Literatur in all ihren Facetten. Das 21. Symposion Deutschdidaktik rückt verschiedene kulturelle Dimensionen sprachlichen Lernens in den Fokus: Die Sprache selbst bietet sich als kulturelles Kapital zur Betrachtung an: Als inhaltlicher und formaler Reichtum künstlerischer und außerkünstlerischer Sprachverwendung. Wie verändern sich Kulturen des Sprach- und Schriftgebrauchs unter diachroner Perspektive, welche Kulturen sprachlicher Inszenierung entfalten sich in der Mediengesellschaft? Die Realisierungsmöglichkeiten des Mediums Sprache haben sich im Verbund mit und auch in Konkurrenz zu anderen medialen Ausdrucksformen vervielfacht – das wirkt auf die Sprachlichkeit des Einzelnen zurück. Unterschiedliche Lebenskulturen bilden eigene Sprachen aus und sind in unterschiedlicher Weise durch Sprache geprägt. Eine überaus heterogene Schülerschaft, die sich durch Transkulturalität beziehungsweise kulturelle Hybridität auszeichnet, pflegt eigene Sprachkulturen. Wie kann im Deutschunterricht diese kulturelle Vielfalt als Bereicherung genutzt werden und wie lassen sich kulturell bedingte Beschränkungen aufheben? Wie gehen wir mit der Vielfalt des Menschlichen um, wenn wir dem Gedanken der Inklusion Rechnung tragen? Konzeptionen des Deutschunterrichts sind auch als Teil der Lernkultur und Schulkultur zu hinterfragen und weiterzuentwickeln. Bildungssprache und Fachsprachlichkeit sind Kennzeichen der Unterrichtskommunikation und sind für kognitive Operationen unerlässlich, sie können aber auch ausgrenzen. Welchen offenen und heimlichen Curricula folgt der Deutschunterricht? Wie sehen die Aufgabenkulturen des Faches und die der Lernmedien aus und wie werden sie eingesetzt?