Prof. Dr. Ottmar Ette

Sonntag, 18. September 2016, 17 Uhr – Musikhalle Ludwigsburg „Schreiben und Denken jenseits der Alterität. Transareale Horizonte translingualer deutschsprachiger Reiseliteratur“ Die Philosophie des 20. Jahrhunderts, folgen wir dem französichen Philosophen Vincent Descombes, stand gänzlich im Zeichen der Alterität, im Zeichen der Beziehung zwischen dem Eigenen und dem Fremden, dem Selben und dem Anderen. Bereits seit dem Ausgang des 15. Jahrhunderts war die Frage nach dem Anderen und dessen „Einordnung“ zur brennendsten Frage im Kontext der europäischen Expansion geworden, so Tzvetan Todorov. Die Fruchtbarkeit der Alteritätsphilosophie im Sinne von Buber oder Lévinas steht außere Frage; doch die Dringlichkeit, Entwürfe eines friedvollen Zusammenlebens in Freiheit und Differenz jenseits dessen zu entwickeln, was Amin Maalouf die „tödlichen Identitäten“ nannte, ist groß. Vor diesem Hintergrund unternimmt der Vortrag den Versuch, Möglichkeiten des Denkens und Schreibens jenseits von Alterität und othering ausgehend von einer Tradition deutschsprachiger Reiseliteratur des ausgehenden 18. und 19., Jahrhunderts zu entwickeln, die im Zeichen translingualer Erlebensformen ihrer Verfasser steht. Welche inter- und transkulturellen Erfahrungen erlauben ein kulturelles Lernen im Zeichen einer Epistemologie der Erweiterung?