Prof. Dr. Kerstin Merz-Atalik

Dienstag, 20. September 2016, 9 Uhr – Aula der PH Ludwigsburg Inklusive Fachdidaktik – Eine Kernaufgabe nicht nur für „inklusive Schulen“! In der öffentlichen Debatte wird die Herausforderung der Inklusiven Bildung nach wie vor zu stark auf die Differenzkategorie „Behinderung“ reduziert. Dies ist einerseits ein Effekt der UN Behindertenrechtskonvention (2006) und deren Ratifizierung durch die deutsche Bundesregierung 2009), die die Forderung nach der Entwicklung eines inklusiven Bildungssystems auch für Menschen mit Behinderungen forciert. Zudem ist dies sicher auch der bislang im deutschsprachigen Raum weitgehend ungebrochenen Tradition der separierten Beschulung von Schüler/innen mit einem sogenannten sonderpädagogischen Förderbedarf in Sonder- und Förderschulen geschuldet. Die häufig verwendeten Begriffe, wie „Inklusionskinder“, „Inklusionsklassen“, „Inklusionsmodelle“, etc. zeigen anschaulich, dass mit dem Begriff Inklusion das Zusammenkommen von Schüler/innen mit und ohne Beeinträchtigungen bezeichnet wird. Der vielfach als Prädikat wahrgenommene Begriff suggeriert so gleichsam, „…der gemeinsame Unterricht sei per se ein inklusiver“ (Feuser 2013). International erfährt der Inklusionsbegriff eine deutlich weitere Auslegung und fokussiert generelle Effekte einer Lernervielfalt im gemeinsamen Unterricht. Didaktik ist die „Kernaufgabe einer inklusiven Schule“ (Prammer & Prammer-Semmler 2014, 153). Eine inklusive Didaktik „… löst den Gleichschritt und gleiche Ziel- und Rangvorstellungen auf der Basis durchschnittlicher Vergleiche von Schülerinnen und Schülern auf und individualisiert nach den diagnostisch ermittelten und reflektierten Unterschieden und Interessen der Lernenden“ (Amrhein & Reich 2014, 36). Dies widerspricht zum Teil den kulturellen Fachlogiken, die sich häufig sehr eng an einem systematischen und (z.B. durch jahrgangsklassen- oder stufenmodellorientierten Standards) normierten Kompetenz- und Wissenszuwachs orientieren. Während einige Vertreter/innen an der Vorstellung von individualisierbaren Stufenmodellen des Lernens (bspw. Prengel 2012) festhalten, gibt es auch Ansätze eines quer zu den tradierten Schulfächern liegenden Curriculums für alle (Ainscow/ Booth 2016). Der Vortrag soll einen Einblick in die aktuelle (inter-)nationale Diskussion zur inklusiven Fachdidaktik geben und die Perspektiven für eine Didaktik der Vielfalt weiten.